Zur Entstehungs-geschichte des Begriffes „Narzissmus“

Der Anstoßgeber – Havelock Ellis

Der englische Sexualforscher Havelock Ellis gibt im Jahr 1898 den Anstoß für die Entwicklung des Begriffs „Narzissmus”. Er spricht in einem Beitrag über „Autoerotismus” von einer „Narziss-ähnlichen Tendenz”. Hier findet sich mehr dazu.

Der Wortschöpfer –
Paul Näcke

Der deutsche Psychiater Paul Näcke greift die Anregung von Ellis 1899 auf und erschafft den Begriff „Narzissmus” (er schreibt: „Narcismus”). Sein Konzept weicht jedoch von Ellis‘ Vorstellungen deutlich ab – siehe hier.

Zu den Missverständnissen zwischen Ellis und Näcke

Es lohnt sich, die Missverständnisse von Ellis und Näcke hier einmal genauer zu betrachten. Auf den zweiten Blick erkennt man erst, wie sehr die beiden aneinander vorbeireden bzw. -schreiben.

Immerhin sind sie sich einig: Sie halten „Narzissmus” für ein sehr seltenes Phänomen. Und sie grenzen ihn ausdrücklich von Homosexualität ab.

Isidor Sadger – Verliebtheit in die eigenen Genitalien

Ein braver Schüler von Sigmund Freud verkehrt im Jahr 1910 das bis dahin bereits hoffnungslos verwirrende Konzept „Narzissmus” in mancherlei Hinsicht in sein genaues Gegenteil. Näheres dazu hier.

Otto Rank –
Verdrehung von Aussagen

Otto Rank klopft 1911 die bisherigen Zuschreibungen zum Narzissmus – Homosexualität und „Verliebtheit in die eigenen Genitalien” als ein allgemeines menschliches Entwicklungsstadium – fest. Darüber hinaus gibt er sich dafür her, die Mythen-Sammlung von Friedrich Wieseler zum Thema so zu verdrehen, dass es für die psychoanalytischen Belange passt. Wie er das macht ist hier nachzulesen.

Sigmund Freud – seine ParaderepräsentantInnen des „Narzissmus“

Sigmund Freud unternimmt es 1914, den bis dahin schon recht widersprüchlich verstandenen Begriff „Narzissmus” noch mehr in einen völlig undurchdringliches Konglomerat von Zuschreibungen negativer Eigenschaften aufzublähen. Seine Paraderepräsentanten des „Narzissmus” haben nur noch mit Narziss gemein, dass sie sein genaues Gegenteil umreißen.

 

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